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Gründung, Förderung & Startkosten

Was kostet eine Existenzgründung? Alle Kosten im Überblick

Die Anmeldung kostet ein paar Euro. Teuer wird das Drumherum. Hier steht, womit du wirklich rechnen musst – einmalig, monatlich und als Puffer.

Sina RiegelStand: September 202610 Min. LesezeitAktualisiert: 2026-10-05
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Inhalt

Die Gewerbeanmeldung kostet dich meist weniger als ein Abendessen zu zweit. Trotzdem scheitern viele Gründungen am Geld – nicht an der Anmeldung, sondern an allem, was danach kommt: die Krankenkasse, die plötzlich doppelt so teuer ist, die erste Steuervorauszahlung, der Monat ohne Aufträge. In diesem Ratgeber rechnen wir ehrlich durch, was eine Existenzgründung kostet: einmalig, jeden Monat und als Sicherheitspolster. Mit Kostentabelle, einem echten Rechenbeispiel und einem Rechner für dein eigenes Startbudget.

Kurz & klar

  • Die Anmeldung selbst ist günstig: 15 bis 65 € fürs Gewerbe, als Freiberufler 0 €.
  • Eine UG kostet in der Gründung rund 300 bis 600 €, eine GmbH rund 800 bis 1.500 € – plus Stammkapital.
  • Der größte laufende Posten ist meist die Krankenversicherung: als freiwillig gesetzlich Versicherte ab rund 280 € im Monat.
  • Plane einen Puffer von 3 bis 6 Monaten für private und betriebliche Fixkosten ein – das ist oft der größte Teil deines Startbudgets.

ab 280 €Mindestbeitrag Kranken- und Pflegeversicherung pro Monat (2026, gesetzlich, Näherung)

Was kostet eine Gründung? Die ehrliche Kurzantwort

Es gibt keine Pauschalsumme, weil sich eine mobile Friseurin und ein Handwerksbetrieb mit Transporter kaum vergleichen lassen. Aber es gibt ein Muster, das bei fast allen Gründungen gleich ist:

  • Die Formalitäten sind billig. Gewerbeamt, Finanzamt und Co. kosten zusammen oft unter 100 €.
  • Die Rechtsform entscheidet über die einmaligen Kosten. Einzelunternehmen und Freiberuf sind am günstigsten, UG und GmbH brauchen einen Notar.
  • Die laufenden Kosten entscheiden, ob du durchhältst. Krankenkasse, Versicherungen, Software, Telefon und Rücklagen kommen jeden Monat – auch in Monaten ohne Umsatz.
  • Das Polster ist der wichtigste Posten, den kaum jemand plant. Fast jede Gründung hat eine Anlaufphase, in der mehr Geld raus- als reingeht.

15–65 €

Gewerbeanmeldung

je nach Kommune

300–600 €

UG-Gründung

Notar, Register, Anmeldung – Richtwert

ab 280 €

Krankenversicherung / Monat

gesetzlich, Mindestbeitrag 2026

3–6 Monate

Puffer einplanen

private + betriebliche Fixkosten

Einmalige Gründungskosten nach Rechtsform

Die erste große Weiche ist die Rechtsform. Sie bestimmt, wer bei der Gründung die Hand aufhält und wie viel Kapital du mitbringen musst.

Einmalige Kosten je Rechtsform (Richtwerte, Stand September 2026)

Gewerbeanmeldung (Einzelunternehmen) Pflicht

15 € – 65 € / einmalig

Gebühr je nach Stadt oder Gemeinde

Anmeldung als Freiberufler beim Finanzamt Pflicht

0 € – 0 € / einmalig

nur Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER

UG mit Musterprotokoll: Notar Pflicht

60 € – 250 € / einmalig

abhängig vom Stammkapital und Umfang

UG/GmbH: Eintragung Handelsregister Pflicht

150 € – 150 € / einmalig

Richtwert laut aktuellen Gründungsratgebern

GmbH mit eigener Satzung: Notar und Register Pflicht

800 € – 1.500 € / einmalig

abhängig von Geschäftswert und Satzung

Geschäftskonto eröffnen

0 € – 0 € / einmalig

Eröffnung ist bei fast allen Anbietern kostenlos

Logo, Visitenkarten, erste Website

0 € – 3.000 € / einmalig

selbst gemacht fast gratis, Agentur deutlich teurer

Ausstattung (Laptop, Werkzeug, Material)

0 € – offen / einmalig

stark branchenabhängig – oft der größte Einmalposten

Summe einmalig1.025 € – offen

Gründungskosten ohne Stammkapital (Mittelwerte der Richtwerte)Nur Anmeldung, Notar und Register – ohne Ausstattung

Freiberuf: 0 €; Einzelunternehmen: 40 €; UG (Musterprotokoll): 450 €; GmbH: 1.150 €. Quelle: Eigene Berechnung auf Basis aktueller Gründungsratgeber, Stand September 2026

Bei UG und GmbH kommt das Stammkapital dazu. Bei der UG reicht formal 1 €, sinnvoll ist aber deutlich mehr, weil das Geld sonst schon bei der ersten Rechnung aufgebraucht ist. Bei der GmbH beträgt das Stammkapital mindestens 25.000 €, von denen bei der Anmeldung mindestens 12.500 € eingezahlt sein müssen. Wichtig: Das Stammkapital ist kein Kostenpunkt, der verschwindet – es ist Geld deiner Firma, mit dem sie arbeiten darf.

Laufende Kosten: Was jeden Monat fällig wird

Hier entscheidet sich, ob deine Gründung trägt. Die folgenden Posten fallen auch dann an, wenn in einem Monat kein einziger Auftrag reinkommt.

Laufende Kosten für Solo-Selbstständige (Richtwerte, Stand September 2026)

Kranken- und Pflegeversicherung (gesetzlich, freiwillig) Pflicht

280 € – 1.230 € / monatlich

richtet sich nach deinem Einkommen; Mindest- und Höchstbeitrag 2026 als Näherung

Altersvorsorge

0 € – offen / monatlich

für die meisten freiwillig, für einige Berufe Pflicht – ohne Vorsorge droht eine Lücke

Geschäftskonto

0 € – 30 € / monatlich

es gibt dauerhaft kostenlose Konten mit Freiposten

Buchhaltungs- und Rechnungssoftware

0 € – 30 € / monatlich

ab 2027/2028 muss sie E-Rechnungen können

Berufs- oder Betriebshaftpflicht

8 € – 60 € / monatlich

je nach Branche; für viele Berufe dringend zu empfehlen

Handy und Internet

20 € – 60 € / monatlich

beruflicher Anteil ist absetzbar

Website, Domain, E-Mail

5 € – 30 € / monatlich

Baukasten oder Hosting

Weitere Tools (Termine, Videocalls, Design)

0 € – 50 € / monatlich

lieber klein starten

IHK- oder Handwerkskammer-Beitrag Pflicht

0 € – offen / jährlich

viele Kammern entlasten Gründer mit geringem Gewinn in den ersten Jahren

Steuerberatung

0 € – offen / jährlich

optional, lohnt sich oft bei Unsicherheit oder GmbH

Summe monatlich313 € – offen

Summe jährlich0 € – offen

Die Zahlen für die Krankenversicherung beruhen auf den Rechengrößen 2026: Für freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige gilt eine Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 € im Monat, die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 5.812,50 € im Monat. Wie viel du genau zahlst, hängt von deinem Einkommen, dem Zusatzbeitrag deiner Kasse, dem Wahltarif Krankengeld und davon ab, ob du Kinder hast. Den genauen Betrag nennt dir deine Krankenkasse.

Die Kosten, die fast alle vergessen

In Finanzplänen fehlt selten eine falsche Zahl. Meistens fehlt eine ganze Zeile. Diese Posten tauchen in fast jedem ersten Entwurf nicht auf:

  • Der volle Krankenkassenbeitrag. Als Angestellte hat der Arbeitgeber die Hälfte getragen. Jetzt zahlst du alles selbst.
  • Steuervorauszahlungen. Nach einem guten ersten Jahr setzt das Finanzamt Vorauszahlungen für das laufende Jahr fest – zusätzlich zur Nachzahlung fürs Vorjahr.
  • Kammerbeitrag und Berufsgenossenschaft. Beides kommt automatisch nach der Anmeldung, oft erst Monate später.
  • Rechtliche Absicherung. Ein fehlendes Impressum oder ein Streit mit einem Kunden kann schnell mehr kosten als ein Jahr Versicherungsbeitrag.
  • Urlaub und Krankheit. Tage ohne Umsatz musst du über deine Preise mitfinanzieren.
  • Fake-Rechnungen nach der Anmeldung. Nach der Gewerbeanmeldung kommen oft Schreiben, die wie Behördenpost aussehen, aber teure Einträge in private Verzeichnisse verkaufen. Echte Behördenpost erkennst du am Absender und daran, dass du nichts „bestellen“ musst.

Rechenbeispiel: So viel Startbudget braucht ein Solo-Dienstleister

Damit die Zahlen greifbar werden, rechnen wir ein Beispiel durch.

Rechenbeispiel Markus – einmalige Kosten

Gewerbeanmeldung Pflicht

30 € – 30 € / einmalig

Logo und Visitenkarten

150 € – 150 € / einmalig

Vorlage angepasst, online gedruckt

Laptop und Messgeräte (Ergänzung)

1.500 € – 1.500 € / einmalig

Material-Grundausstattung

800 € – 800 € / einmalig

Summe einmalig2.480 € – 2.480 €

Rechenbeispiel Markus – laufende Kosten pro Monat

Kranken- und Pflegeversicherung Pflicht

530 € – 530 € / monatlich

Näherung: rund 21 % von 2.500 € Gewinn

Altersvorsorge

200 € – 200 € / monatlich

selbst festgelegt

Fahrzeugkosten (beruflicher Anteil)

250 € – 250 € / monatlich

Handy und Internet

40 € – 40 € / monatlich

Betriebshaftpflicht

15 € – 15 € / monatlich

Website-Baukasten

15 € – 15 € / monatlich

Buchhaltungssoftware

13 € – 13 € / monatlich

Geschäftskonto

0 € – 0 € / monatlich

kostenloser Tarif

Summe monatlich1.063 € – 1.063 €

Markus' private Fixkosten – Miete, Lebensmittel, Kredit, Versicherungen der Familie – liegen bei rund 1.900 € im Monat. Zusammen mit den laufenden Geschäftskosten von rund 1.060 € muss er also knapp 3.000 € im Monat decken, bevor er etwas verdient hat. Für einen Puffer von drei Monaten sind das rund 8.900 €.

Startbudget Markus: rund 11.400 €Der Puffer ist der mit Abstand größte Posten

Puffer (3 Monate): 8.890 €; Ausstattung: 2.300 €; Logo und Visitenkarten: 150 €; Gewerbeanmeldung: 30 €. Quelle: Rechenbeispiel, eigene Berechnung

Das Ergebnis überrascht viele: Nicht die Anmeldung und nicht die Ausstattung machen das Startbudget aus, sondern die Monate, in denen das Geschäft noch nicht trägt. Genau dafür ist übrigens auch der Gründungszuschuss gedacht – als Puffer für die Übergangszeit, nicht als Startkapital für Anschaffungen.

Rechne dein eigenes Startbudget aus

Startbudget-Rechner

Trag deine Werte ein. Der Rechner zeigt dir einmalige Kosten, laufende Kosten und den Puffer, den du einplanen solltest.

Rechtsform
€
Auftritt: Logo, Website, Visitenkarten
€

Konto, Software, Telefon, Versicherungen, Website, Fahrzeug

€
Krankenversicherung

528 € / Monat. Näherung 2026 mit 14,6 % allgemeinem Beitrag, 2,9 % durchschnittlichem Zusatzbeitrag und 3,6 % Pflegeversicherung. Ohne Kinderlosenzuschlag. Den genauen Betrag nennt deine Krankenkasse.

€
Puffer in Monaten6 Monate

Einmalige Kosten

1.690 €

Laufende Kosten pro Monat

678 €

Empfohlener Puffer

14.868 €

Dein Startbudget

16.558 €

Einmalige Kosten + 6 Monate Puffer

Unverbindliche Schätzung, keine Steuer- oder Finanzberatung. Stand: September 2026.

So senkst du die Gründungskosten

Sparen an der falschen Stelle wird teuer. Sparen an der richtigen Stelle verschafft dir Monate. Diese Hebel lohnen sich fast immer:

  1. Kostenloses Geschäftskonto wählen. Für die meisten Solo-Selbstständigen reicht ein Tarif ohne Grundgebühr. Welche Konten wirklich 0 € kosten, steht im Geschäftskonto-Vergleich.
  2. Rechtsform passend wählen. Eine GmbH „weil es professioneller wirkt“ kostet dich jedes Jahr Buchhaltung, Jahresabschluss und Steuerberatung.
  3. Kleinunternehmerregelung prüfen. Wer wenig Umsatz macht und vor allem an Privatkunden verkauft, spart sich die Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Für wen sie sich lohnt, liest du im Ratgeber zur Kleinunternehmerregelung.
  4. Gebraucht kaufen oder leasen. Vor allem bei Fahrzeugen und Technik schont das die Liquidität am Anfang.
  5. Nebenberuflich testen. Wer neben einer Teilzeitstelle startet, braucht einen deutlich kleineren Puffer.
  6. Förderung nutzen. Gründungscoaching, Gründungszuschuss und Einstiegsgeld können einen Teil der Anlaufphase abfedern.
  7. Keine Anmelde-Portale mit Gebühr. Die Gewerbeanmeldung erledigst du direkt beim Amt oder dessen offiziellem Online-Portal.

Womit du die laufenden Kosten klein hältst

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Welche Förderung einen Teil der Kosten abfedert

Wenn du aus der Arbeitslosigkeit heraus gründest, gibt es Förderwege, die direkt in deine Kostenrechnung gehören:

  • Gründungscoaching über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS): Ein Coaching bei einem zugelassenen Träger kann gefördert werden. Wird der Gutschein bewilligt, zahlst du für das Coaching in der Regel nichts selbst.
  • Gründungszuschuss: Für Gründerinnen und Gründer aus dem Arbeitslosengeld I. Voraussetzung ist unter anderem ein Restanspruch von mindestens 150 Tagen bei der Gründung und eine Tragfähigkeitsbescheinigung. In den ersten sechs Monaten gibt es einen Betrag in Höhe des Arbeitslosengeldes plus 300 € für die soziale Absicherung, danach sind weitere neun Monate mit 300 € möglich.
  • Einstiegsgeld: Das Gegenstück für Menschen im Bürgergeld, beantragt beim Jobcenter.

Wichtig: Alle drei sind Ermessensleistungen. Es gibt keinen Rechtsanspruch – die Agentur oder das Jobcenter entscheidet im Einzelfall. Plane deshalb so, dass deine Gründung auch ohne Zuschuss trägt, und nutze ihn als zusätzliches Polster.

Checkliste: Deine Gründungskosten in 7 Schritten

So erfasst du deine Kosten vollständig

Häufige Fragen

Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Über die Autorin

Sina Riegel hat mehrfach selbst gegründet – mit einer UG, einer GmbH und nach einer Insolvenz noch einmal allein, ganz ohne Förderung. Heute begleitet sie als Gründungscoach Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Auf geld-impuls.de schreibt sie über das, was Gründen wirklich kostet: ohne Schönrechnerei und ohne Business-Geschwafel.

Quellen

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